Museum am Dom zeigt Sonderausstellung zu Herbert Falken im neuen „MAD-Labor“

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Mit einer Sonderausstellung aus Anlass des 90. Geburtstags von Herbert Falken feiert derzeit im Würzburger Museum am Dom das „MAD-Labor“ seinen Einstand. Bis zum 29. Januar 2023 werden in dem etwa 30 Quadratmeter großen, abgetrennten Raum zahlreiche Werke des Künstlers und Priesters Falken gezeigt.

Die Falken-Sonderausstellung ist praktisch eine „Pop-up-Ausstellung“: Das MAD wurde davon überrascht, als es sich auf einem Faltblatt mit Ausstellungen und Vorträgen anlässlich des 90. Geburtstags Falkens am 11. September in der Reihe der Ausstellungsorte wiederfand. Dr. Jürgen Emmert, Leiter der Abteilung Kunst der Diözese Würzburg, und Christoph Deuter, wissenschaftlicher Mitarbeiter, reagierten prompt. Sie holten binnen einer Woche einige Werke aus dem Depot und konzipierten die Ausstellung, erzählten sie am Donnerstag, 22. September, bei einer Presseführung. „Das Labor wird, nachdem das Untergeschoss jetzt nicht mehr zur Verfügung steht, künftig der Ort für Sonderausstellungen, aber auch für Installationen und Performances sein“, erklärte Emmert. Dort könne man auf Künstlerjubiläen ebenso eingehen wie auf aktuelle gesellschaftliche Fragen. Für die Falken-Sonderschau wurden in der Kürze der Zeit auch hinsichtlich der Beschriftung der Werke sowie der Informationen zu Künstler und Werk neue Wege gegangen. In Anlehnung an Falkens Werk „Salbung Giacomettis“, das mit Pfeilen und Beischriften auf einzelne Salbungen verweist, nutzt auch das Ausstellungsdesign Pfeile und handschriftliche Hinweise zu den Werken. Dem „Labor“ werden die weitergehenden Informationen zu den Objekten oder zum Künstler gerecht: Interessierte können selbst tätig werden und zusätzliche Abbildungen und Texte aus den auf einem kleinen Beistelltisch bereitgestellten Hängeregistern entnehmen.

Falken, der sich für sein künstlerisches Schaffen die Leitlinie „Du sollst keine christliche Kunst machen wollen“ gegeben hat, bearbeitet in seinen Werken vor allem die Motive Krankheit, Leiden und Angst – und die Hoffnung auf Erlösung. „Köpfe sind quasi omnipräsent“, erklärte Deuter. Das sei insofern konsequent, als alles Denken und Fühlen dort geschehe. Als Autodidakt suche Falken ganz frei von handwerklichen Konventionen seine eigene Bildsprache. Er tue das, in dem er beispielsweise Teile übermale, bestimmte Bildelemente durch anatomische Details verfremde oder bewusst mit der linken Hand zeichne, „auch wenn diese im Lauf der Zeit die gleiche Fähigkeit wie die rechte erreicht hat“. Mitunter setze Falken auch dem zentralen Motiv seiner Zeichnungen und Gemälde noch ein weiteres skizzenhaft daneben. Typisch für sein Oeuvre sei es, dass er bestimmte Themen wiederkehrend behandelt, um es zu durchdringen. „Die Reflexion der eigenen Existenz, eigener Zweifel und innerster Gemütsbewegungen findet in Falkens Zeichnungen ihren Widerhall, die vielfach mit Notizen zur Entstehung des Bildes sowie einer genauen Datierung versehen sind“, wie Deuter betonte.

Zur Person - Herbert Falken wurde 1932 in Aachen geboren, absolvierte zunächst eine kaufmännische Lehre und arbeitete als Werbemaler, ehe er, seiner zweiten Berufung folgend, Theologie studierte und sich 1964 in Aachen zum Priester weihen ließ. Zugleich erhielt er von seinem Bischof die Möglichkeit, weiterhin künstlerisch zu arbeiten. Nach einem selbstauferlegten Malverbot von etwa 1962 bis 1968 schuf er 1969 mit „Scandalum crucis“ eine aufsehenerregende Serie von lachenden oder schreienden Christusdarstellungen, die stark von Francis Bacons Papstbildern beeinflusst waren. Es folgten viele Ausstellungen, aus denen sicherlich die Teilnahme an der Dokumenta VI heraussticht. Mit weiteren Serien („Geburtstod“, der Lazarus-Serie anlässlich des Todes seines Freundes Heinrich Böll, einer Serie zu Michelangelos Sklavenskulpturen oder der vielbeachtete Serie von Gitterköpfen) variierte er Themenkomplexe und betrachtete diese immer wieder unter neuen Perspektiven. Als Seelsorger hatte er mit Kranken und Drogenabhängigen Kontakt – Erfahrungen, die sich ebenfalls in einer Bildfolge widerspiegeln. Aus gesundheitlichen Gründen ist Falken seit etwa 2010 nicht mehr künstlerisch tätig.


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