Wasser ist und war nicht immer selbstverständlich

Ei Gude wie
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Wenn wir morgens aufstehen, führt uns der erste Weg meist ins Bad, gemeint ist der Raum, in dem sich Toilette, Badewanne oder Dusche und Waschbecken befinden. Die meisten von uns putzen sich als erstes die Zähne. Zum Mund ausspülen benutzen wir, wie selbstverständlich, Wasser. Es kommt aus der Leitung, wenn man den Hahn aufdreht und hört auf zu fließen, wenn man den Hahn zudreht. Das war nicht immer so und ist in vielen Teilen unseres Planten leider heute noch nicht so.

Wir kennen alle die Bilder aus Afrika. Frauen laufen jeden Tag viele Kilometer zur Wasserquelle, um dann das kostbare Nass unbeschadet nachhause zu bringen. Wir haben uns daran gewöhnt, das Wasser immer in ausreichender Menge und Qualität zu Verfügung steht. Es ist, wie bereits gesagt, selbstverständlich, wie viele andere Dinge auch. Bis ins 19. Jahrhundert versorgten sich die Menschen bei uns mit dem Wasser, das sie täglich brauchten, aus dem nächst gelegenen Brunnen oder aus Flüssen, Bächen und Seen. Das änderte sich in Deutschland mit der Erkenntnis, dass verunreinigtes Wasser schlimme Krankheiten verursachen kann.

Der Mediziner und Mikrobiologe Robert Koch konnte 1883 beweisen, dass der von ihm entdeckte Cholera-Erreger über das Trinkwasser transportiert wird. Nicht nur die Entdeckung, dass sich der Mensch mit dem Cholera-Erreger über das Trinkwasser infizieren kann, sondern auch andere neue mikrobiologische und chemische Kenntnisse am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts machten deutlich, dass eine kontrollierte hygienische Trinkwasser-Versorgung notwendig ist. In Hamburg wütete 1842 ein Brand, der die Stadt in großen Teilen zerstörte. Beim Wiederaufbau wurde der englische Ingenieur William Lindley damit beauftragt, eine leistungsfähige Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung für Hamburg zu planen. Die Hamburger Wasserwerke entnahmen zu Beginn ohne Aufbereitung das Wasser aus der Elbe. Im benachbarten Altona hatte man schon mit der Filtration des Wassers begonnen. Das Ergebnis war, dass bei der schlimmen Cholera-Epidemie 1892 in Hamburg viele Menschen starben und im benachbarten Altona kaum jemand.

Das Abwasser wurde zu Beginn der Wasserversorgung noch etwas stiefmütterlich behandelt. In Kanälen wurde es zwar von den eng besiedelten Gebieten abgeleitet, floss aber zunächst ungeklärt in die Flüsse, Seen oder in extra für das Abwasser gebaute Gruben. Ende des 19. Jahrhunderts begann man mit ersten Versuchen von Klärverfahren. Sie bestanden meist aus Ansetzanlagen und Bodenfiltern. Die erste Kläranlage wurde 1882 in Frankfurt am Main in Betrieb genommen, doch die Flüsse wurden weiter massiv verschmutzt. Erst in den 1970er Jahren wurden Verfahren entwickelt, die eine deutlich verbesserte Klärung des Wassers ermöglichten. Die tägliche Trinkwassernutzung im Haushalt und Kleingewerbe ging von 144 Liter je Einwohner und Tag im Jahr 1991 lange Jahre zurück bis auf täglich 123 Liter pro Kopf im Jahr 2016 und steigt seitdem wieder leicht an. 2019 wurden von jedem im Schnitt 128 Liter verbraucht, insgesamt also knapp 130 Liter. Am 28. Juli 2010 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen mit der Resolution 64/292 das Recht auf Wasser als Menschenrecht anerkannt. Ei Gude, wie!

Zum Autor

Er sei ein waschechter Neuenhaßlauer, sagt er von sich selbst. Helmut Müller (71) ist in Neuenhaßlau als 4. von 7 Kindern geboren und ein typisches Nachkriegskind dazu. Seine Mutter Hessin und evangelisch, sein Vater Sudetendeutscher und katholisch, aber kein Flüchtling, sondern Kriegsgefangener, der nicht in seine angestammte Heimat zurückkonnte. Er wächst in einem 4 Generationen Haus mit den Eltern, sechs Geschwistern, Oma und Opa sowie Onkel und der Ur-Großmutter auf. Der Spielplatz war die Straße. In der Volksschule, die er mit dem Hauptschulabschluss beendete, war deutsch seine erste Fremdsprache, die er lernen musste. In späteren Jahren hat er seine mittlere Reife und das Fachabitur für Wirtschaft und Verwaltung nachgeholt und das Ganze als Diplom Verwaltungswirt (FH) abgeschlossen. Er war in etlichen Vereinen aktiv. Man könnte ihn getrost als „Vereinsmeier“ bezeichnen. Er hat dabei fast alle Positionen, die ein Vorstand hat, begleitet. Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


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