Bayerns Gesundheitsministerin Gerlach verleiht Bayerischen Organspendepreis

Foto: Susie Knoll

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Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach hat am Mittwoch (10.07.) in München gemeinsam mit der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) den Bayerischen Organspendepreis verliehen.

Für ihr außergewöhnliches Engagement wurden die Kliniken Aschaffenburg-Alzenau, Eichstätt und Kempten ausgezeichnet. Der diesjährige Ehrenpreis zur Förderung der Organspende ging an das Organisationsteam des DGCH Organspendelaufs. Die Ministerin betonte bei der Preisverleihung im Rahmen der 22. Jahrestagung der Transplantationsbeauftragten: „Alle drei ausgezeichneten Kliniken haben im vergangenen Jahr die Organspende im Freistaat Bayern vorbildlich unterstützt. Das ist insbesondere der herausragenden Arbeit der Transplantationsbeauftragten, Ärztinnen, Ärzte und Pflegenden vor Ort zu verdanken. Diesen besonderen Einsatz und die Kultur der Organspende im Krankenhaus würdigen wir auch in diesem Jahr mit dem Bayerischen Organspendepreis.“

Gerlach ergänzte: „Damit Organspende gelingen kann, braucht es die Spender, aber eben auch ein Krankenhaus, das der Organspende offen gegenübersteht. Es braucht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich gemeinsam für die Organspende einsetzen. Diese Arbeit ist für die Menschen auf der Warteliste lebensnotwendig. Ich wünsche mir, dass viele Krankenhäuser diesen großartigen Beispielen folgen.“

Die Ministerin erläuterte: „Die Transplantationsbeauftragten des Klinikums Aschaffenburg haben sich besonders verdient gemacht, indem sie ein ‚Standard Operation Procedure‘ eingeführt haben, das einen qualitätsgesicherten Ablauf einer Organspende gewährleistet. Dadurch haben sich die internen Strukturen deutlich verbessert. Außerdem organisieren die Transplantationsbeauftragten regelmäßig Fortbildungen für ärztliche und pflegerische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ Im Klinikum Aschaffenburg fanden allein in den Jahren 2022 und 2023 jeweils 13 Spendermeldungen statt - und jeweils 4 Organspenden konnten realisiert werden.

Gerlach fügte hinzu: „Auch die Transplantationsbeauftragten des Klinikums Kempten setzen sich mit sehr viel Engagement und Empathie für die Organspende ein. Mit je einem Vertreter pro Fachbereich werden anhand des ‚TransplantCheck‘ alle Patientinnen und Patienten vorgestellt, die an einer schweren Hirnschädigung in der Klinik verstorben sind. Durch die kollegiale Besprechung können alle Teilnehmer voneinander profitieren und kontinuierlich ihre Prozesse weiterentwickeln.“ Im Klinikum Kempten gab es im Jahr 2023 insgesamt 7 spendebezogene Kontakte, wovon 5 Organspenden realisiert werden konnten.

Die Ministerin ergänzte: „Die Klinik Eichstätt engagiert sich ebenfalls sehr für die Organspende. Neben einer ärztlichen Transplantationsbeauftragten setzt die Klinik auch auf zwei pflegerische Transplantationsbeauftragte. Das hat für die Betroffenen große Vorteile. Denn die Pflegenden arbeiten besonders nah an den Patientinnen und Patienten und ihren Angehörigen. Diese Nähe wirkt sich auch positiv auf die Begleitung im Transplantationsprozess aus.“ Im Jahr 2023 gab es bei der Klinik Eichstätt zwei Meldungen potentieller Organspender, wovon eine Spende realisiert werden konnte.

Der diesjährige Ehrenpreis ging an das Organisationsteam des DGCH Organspendelaufs. Der jährliche Organspendelauf der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie wird seit 2019 von Prof. Dr. med. Matthias Anthuber, Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie am Universitätsklinikum Augsburg, und seinem Team vom Universitätsklinikum Augsburg organisiert. Die Ministerin betonte: „Der Organspendelauf ist eine großartige Initiative, die Aufmerksamkeit erregt und ein positives Bild der Organspende in der Öffentlichkeit schafft. Neben der Öffentlichkeitsarbeit geht es bei dem Lauf aber auch um die finanzielle Unterstützung sozialer Organisationen aus dem Bereich der Organtransplantation. Der Lauf ist zurecht heute schon preisgekrönt.“

Gerlach verwies zudem darauf, dass die Zahl der Organspender in diesem Jahr im Vergleich zum vergangenen Jahr etwas gestiegen ist: „So gab es in Bayern nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation von Januar bis einschließlich Juni 70 Organspender. Das sind 7 Spender mehr als im gleichen Zeitraum 2023. Aktuell warten alleine in Bayern rund 1.200 Menschen auf ein lebenswichtiges Spenderorgan. Es muss sich deshalb dringend etwas ändern. Ich setze mich daher klar für die Einführung der Widerspruchslösung ein. Ich hoffe, dass die Widerspruchslösung auch im Bundestag die notwendige Mehrheit findet. Denn die Widerspruchslösung bietet die Chance, dass mehr Menschen ein lebensrettendes Spenderorgan bekommen. Organspende wäre dann der Normalfall.“

Die Ministerin erläuterte: „Selbstverständlich soll sich niemand unter Druck gesetzt fühlen. Denn das Thema Organspende ist sensibel und kann Ängste auslösen. Aber auch die Widerspruchslösung ermöglicht es, dass jeder Mensch selbst über seine Position entscheidet."

Gerlach fügte hinzu: „Mit der Widerspruchslösung müssten sich alle Bürgerinnen und Bürger mit der Thematik auseinandersetzen und eine Entscheidung treffen. Das wäre auch eine Entlastung für die Angehörigen. Denn wer zu Lebzeiten selbst für Klarheit sorgt, nimmt seinen Angehörigen die Last einer Entscheidung in schweren Stunden.“ Schon heute gilt die Widerspruchslösung unter anderem in Ländern wie Frankreich, Italien, den Niederlanden, Österreich, Spanien und Portugal.

Gerlach betonte: „Als bayerische Gesundheitsministerin will ich erreichen, dass sich mehr Menschen als bisher mit dem Thema Organspende auseinandersetzen. So haben wir mit der Social-Media Kampagne ‚Du entscheidest! Organspende? Deine Wahl.‘ zum Nachdenken angeregt – und idealerweise zum Ausfüllen eines Organspende-Ausweises. Dabei unterstützten uns Prominente wie der Sänger Roland Kaiser, die Kabarettistin Sissi Perlinger sowie Influencer wie Marti Fischer, Tomatolix, Lisa Sophie Laurent und Markus Kavka.“

Die Ministerin ergänzte: „Außerdem wirbt unser Bündnis Organspende Bayern mit seinen rund 70 Mitgliedern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft seit mehr als sieben Jahren dafür, dass sich die Menschen mit dem Thema Organspende befassen. Darüber hinaus unterstützt das bayerische Gesundheitsministerium seit über 20 Jahren das sehr wichtige Projekt ‚Schulklassen in die Transplantationszentren‘ am Klinikum Großhadern der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit 2012 bietet auch das Klinikum der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg in Zusammenarbeit mit dem Ministerium und der DSO Schülerseminare zum Thema Organspende und Transplantationsmedizin an.“


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