Bayerische Chemieindustrie benötigt sichere Erdgasversorgung

Politik
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Im Rahmen ihrer heutigen gemeinsamen Mitgliederversammlung forderten der Verein der Bayerischen Chemischen Industrie e.V. (VBCI) und der Verband der Chemischen Industrie e.V., Landesverband Bayern (VCI-LV Bayern) unter anderem eine sichere Gasversorgung der Chemieindustrie im Freistaat.

„Erdgas ist für die Chemieindustrie ein zentraler Rohstoff und an vielen Stellen derzeit nicht zu ersetzen. Wir brauchen deshalb vor dem Hintergrund einer drohenden Gasmangellage zügig Lösungen von der Politik", erklärte Dr. Christian Hartel, Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Chemieverbände.

Aus Sicht der bayerischen Chemieindustrie gibt es in Politik und Gesellschaft ein Bewusstsein für die Schlüsselrolle der Branche und ihre Bedeutung für die Gesamtwirtschaft. „Die chemische Industrie wird als Lösungsindustrie wahrgenommen. Aber die jetzt anstehenden Herausforderungen rund um die Folgen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine erfordern ein schnelles und entschlossenes Handeln. Erstens muss das Kernkraftwerk Isar 2 mindestens bis zum nächsten Sommer weiterlaufen. Zweitens darf bei den Zuteilungsfragen im Fall eines Gasmangels – also der höchsten Stufe im Gasnotfallplan – die Industrie nicht leer ausgehen oder hinten anstehen. Und drittens muss geklärt werden, wie auch die bayerische Industrie an den Stellen, wo Gas unersetzlich ist, selbst in einer Mangelsituation noch versorgt werden kann. Es muss in politischer und technischer Hinsicht alles getan werden, um eine regionale Ungleichheit zu vermeiden. Eine regional unterschiedliche Versorgung wäre inakzeptabel", so Hartel.

Wirtschaftliche Lage und Geschäftsjahr 2021
Auf das vergangene Geschäftsjahr blickt Hartel trotz der derzeit volatilen Lage positiv zurück: „Nach dem Corona-Krisenjahr 2020 verlief das Jahr 2021 für viele – aber nicht für alle –Unternehmen überraschend gut. Trotz der Einschränkungen durch Infektionsschutz, der direkten Auswirkungen der Pandemie und der Lieferengpässe sowie gegen Ende des Jahres schon deutlich angestiegener Energiepreise konnte die Chemie in Deutschland insgesamt eine starke Bilanz für 2021 ziehen. In Bayern verzeichnete die Branche einen Gesamtumsatz von knapp 20 Milliarden Euro. Das entspricht einem Wachstum gegenüber dem Corona-Jahr 2020 von etwa 17 Prozent." Grund hierfür seien die erheblich gestiegenen Erzeugerpreise. Aufgrund massiv gestiegener Kosten, insbesondere im Energiebereich, dürfe daraus aber kein entsprechendes Gewinnwachstum abgeleitet werden!

Unsicherer Ausblick auf das Jahr 2022
„Wir gehen für 2022 von einem Rückgang der Produktion der Chemieindustrie in Deutschland um 1,5 Prozent aus. Im Chemiegeschäft ohne Pharma rechnen wir sogar mit vier Prozent weniger. Diese Prognose ist allerdings mit großen Unsicherheiten behaftet und geht von weiterer Belieferung mit Gas aus Russland aus. Wie sich die Belieferungssituation in den nächsten Monaten entwickelt, steht aber in den Sternen. Sicher ist lediglich, dass der Standort Deutschland und Bayern auch aufgrund der weiter steigenden Strom- und Gaspreise zunehmend ein Wettbewerbsproblem bekommt", mahnt Hartel.

Klare Forderungen für zukunftssichere Chemieindustrie
Um den Wirtschafts- und Chemiestandort Bayern zukunftssicher und wettbewerbsfähig aufzustellen, sind aus Sicht der Bayerischen Chemieverbände eine Reihe von Maßnahmen notwendig. „Wir brauchen eine Wasserstoffpipeline nach Bayern und am anderen Ende der Leitung jemanden, der dort grünen Wasserstoff einspeist. Für die Klimaneutralität der Chemie in Bayern ist dies unerlässlich. Ferner brauchen wir endlich einen effektiven und effizienten Carbon-Leakage-Schutz. Dafür wäre ein Industriestrompreis, also ein staatlich gedeckelter Strompreis für Industrieunternehmen, eine gute Lösung. Zuletzt brauchen wir beim Thema Bürokratie deutliche Entlastungen: Es darf erstens keine so weitreichenden Restriktionen im Chemikalien- und Stoffrecht geben, wie es die EU-Chemikalienstrategie vorsieht, das raubt uns das Werkzeug für Innovationen. Und zweitens müssen Genehmigungsverfahren – auch für die Transformation industrieller Anlagen - deutlich schneller und effizienter ablaufen", fordert Hartel

Personelle Veränderungen im Vorstand
Die Mitgliederversammlung des VBCI und des VCI-LV Bayern wählte Dr. Stefan Hölbfer, Geschäftsführer der OMV Deutschland GmbH und Standortleiter der OMV Raffinerie Burghausen, sowie Paul Wiggermann, Werkleiter Roche Diagnostics GmbH, Penzberg, neu in den Vorstand der Verbände.

Folgende Vorstände haben ihren Rücktritt aus dem Vorstand erklärt und sich in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet: Dr. Ulrich Opitz, Roche Diagnostics GmbH, Penzberg sowie Dr. Gerhard Wagner, OMV Deutschland GmbH, Burghausen.


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