Rützel: Aus 9-Euro-Ticket muss 30-Euro-Monatsticket werden

Politik
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Chaotische Zustände auf den Bahnsteigen und in den Zügen bestimmen häufig das Bild vom 9-Euro-Ticket in der Öffentlichkeit. Was kaum jemand sieht, ist die enorme Belastung, unter der das Personal in und an den Zügen steht. Übersehen werden außerdem einige positive Effekte:

Mit dem 9-Euro-Ticket liegt erstmals ein flächendeckender, bundeseinheitlicher Fahrschein für alle Verkehrsmittel im ÖPNV vor. Das Angebot wird rege angenommen. Die Nachfrage übersteigt deutlich die hohen Prognosen. Es hilft vielen Menschen ganz konkret im Alltag und in der Freizeit. Das 9-Euro-Ticket bestätigt auch, dass der Preis entscheidender Faktor für die Attraktivität des ÖPNV ist. Außerdem legt dieses Angebot den Finger in die Wunde und Probleme unübersehbar offen, die lange Theorie schienen. Auch das ist ein Vorteil, der genutzt werden muss.

Bernd Rützel: „Der größte Vorteil des 9-Euro-Tickets ist: Egal wohin man fährt, ein gültiger Fahrschein ist schon vorhanden.“

Rützel, Vorsitzender des Ausschusses für Arbeit und Soziales im Deutschen Bundestag, traf den frisch gewählten Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrates DB Regio Schiene/Bus, Ralf Damde, in seinem Berliner Büro zum Gespräch. Der Austausch war Bernd Rützel gerade jetzt so wichtig, weil ihm die erheblichen Belastungen der Bahn-Beschäftigten im Zusammenhang mit dem 9-Euro-Ticket direkt zugetragen werden.

Rützel und Damde kennen sich seit vielen Jahren. Neben dem Interesse für die Bahn stehen für beide die Sicherheit von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und die Interessen der Beschäftigten im Fokus. Beide waren sich einig, dass das 9-Euro-Ticket die seit Jahren beschriebenen Missstände bei der Bahn deutlich offen legt. Trotz zahlreicher Lösungsvorschläge erfolgt die Problembehebung zu langsam. Das System ist so den Erwartungen an die dringend notwendige Verkehrswende nicht gewachsen.

Rützel: „Selbstkritik gehört zu ehrlicher Politik. Der SPD ist es bislang nicht gelungen, den Hebel umzulegen und der Bahn freie Fahrt zu ermöglichen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die CSU seit 2009 den Verkehrsminister gestellt hat.“ Die Bahn werde seit 30 Jahren kaputt gespart.

Auch Damde fand klare Worte. Die Bahn beschrieb er als „marodes System“. Ursache vieler Probleme sei die komplizierte Aufgaben- und Zuständigkeitsstruktur im Regionalverkehr. Vor allem bei der Ausschreibungspraxis für die Vergabe von Verkehrsleistungen sieht er Änderungsbedarf. Rützel und Damde waren sich einig, dass die Vorhaltung von Fahrzeugreserven Inhalt der Ausschreibungen werden muss, um Engpässe schnell ausgleichen zu können. Das gewährleiste gleiche Bedingungen und fairen Wettbewerb. Kurzfristig müsse das Personal dringend entlastet werden, das Probleme der Infrastruktur und mit der Ausstattung der Fahrzeugflotte unmittelbar vor Ort auffangen müsse. Entlastend, so Damde, wären etwa Änderungen bei der Fahrradmitnahme. Er setzt sich außerdem für ein Dankeschön an die Mitarbeitenden der Bahn ein, z.B. in Form eines zusätzlichen freien Tages oder Kostenübernahme für Freizeitaktivitäten.

Der Bund unterstützt die Länder bei der Bereitstellung des ÖPNV. Aus verschiedenen Töpfen gibt es dafür Geld – insgesamt mehr als 13 Mrd. Euro, über 9 Mrd. davon sind Regionalisierungsmittel. „Die Länder vergeben diese Mittel nach unklaren Grundsätzen, nicht alles kommt im ÖPNV an.“, kritisiert Bernd Rützel. Auch hier bestehe Änderungsbedarf.

Auch über eigene Vorschläge, wie Bahn, Bund und Länder dem Bedarf an Angeboten künftig begegnen sollten, sprachen Rützel und Damde. Damde regte ein „Sondervermögen ÖPNV“ an, Rützel die dauerhafte Fortsetzung eines günstigen, bundesweiten Tarifs, z.B. in Form eines „30-Euro-Monatstickets“, das ein echtes 365-Euro-Jahresticket wäre.

Ralf Damde wurde heute Vormittag zum neuen Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrates DB Regio Schiene/Bus gewählt. Bernd Rützel: „Herzlichen Glückwunsch zum neuen Amt, lieber Ralf Damde, viel Erfolg und auf eine gute Zusammenarbeit!“ 


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