Wecker traf sich vor seinem Konzert im Congress Centrum Würzburg am Mittwoch, 28. November, mit den Gästen der Wärmestube. Der Raum in der Rüdigerstraße hinter dem Mainfranken Theater war voll mit Besucherinnen und Besuchern, die an Tischen saßen, die zu einer Art Halbkreis aufgestellt waren. Wecker setzte sich auf einen Stuhl in der Mitte des Raumes, nahm sich das Mikrofon und unterhielt sich ungefähr eine Stunde lang mit den Besucherinnen und Besuchern. Er sprach mit ihnen über Kunst, Politik und das, was das Leben lebenswert macht. „Ich finde es spannender in der Gegenwart sogenannter Versager“, erzählte Wecker. Von diesen Menschen erfahre man etwas. Sie hätten Geschichten zu erzählen. Die Wärmestube in Würzburg ist ein Ort, an dem Menschen in Not etwas zu essen und einen sicheren Platz finden. Die Gäste können dort duschen, ihre Wäsche waschen und trocknen sowie medizinische Ersthilfe bekommen. Außerdem ist die Wärmestube eine Anlaufstelle für soziale Unterstützung. Wecker war vor fünf Jahren schon einmal hier. Die Botschaft, wie der Künstler mit den Brüchen in seinem Leben umgegangen sei, könne den Leuten Mut machen und Trost vermitteln, erklärte Bernhard Christof,  stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Wärmestube. „Das war auch heute wieder sehr eindrücklich und spürbar.“

„Für uns alle ist es ein Zufall, wenn wir nicht in einer Wärmestube sind. Sind wir mal ganz ehrlich. Das haben wir uns nicht verdient oder erarbeitet, sondern wir haben Glück gehabt“, sagte Wecker nach dem Gespräch. Bei seiner Lebensweise sei es ein Wunder, dass er seinen Beruf habe ausüben können. Die Poesie habe ihn am Leben gehalten. Mit seinem Programm „Utopia 2.0“ ist Wecker gerade auf Tour durch Deutschland.„Kunst gibt den Menschen die Möglichkeit, zu sich selbst zu stehen“, erklärte der Liedermacher. Aus diesem Grund gibt es bei seinen Konzerten auch „Sozialtickets“. Menschen unter der Armutsgrenze können seine Konzerte so kostenlos besuchen. Die schnellsten 100 Interessenten pro Konzert bekommen eine Freikarte. In der Wärmestube fragte Wecker, wer ein Ticket haben möchte. Darauf schnellten einige Hände nach oben.  Die Würzburger Schauspielerin und Kabarettistin Heike Mix übernahm die Moderation des Besuches. Dazu stellten die Besucherinnen und Besucher Fragen und berichteten von ihren Erlebnissen. Ein Besucher zeigte Wecker seine Malereien und ein selbstgeschriebenes Gedicht.

Wecker zeigte ebenfalls etwas von seiner Kunst: Unter anderem trug er sein Gedicht „Jeder Augenblick ist ewig“ vor. Eine Strophe daraus lautet: „Jeder Augenblick ist ewig, wenn du ihn zu nehmen weißt – ist ein Vers, der unaufhörlich Leben, Welt und Dasein preist.“ Langsam beginne er dieses Gedicht zu verstehen, das er vor elf Jahren geschrieben habe, erzählte Wecker. Zwischendurch erhob er sich einmal von seinem Stuhl, um sein Lied „Wenn der Sommer nicht mehr weit ist“ zu vorzutragen. Verspielt und fröhlich sang er das Lied. Bei der Passage „Nur, man darf nicht träge sein und darf nicht ruh'n. Denn Genießen war noch nie ein leichtes Spiel“, fügte Wecker hinzu, er wisse wovon er singe. Am Ende ertönte lauter Applaus. Der Liedermacher blieb noch kurz, um Fotos mit den Gästen zu machen. 

Foto: © Vincent Poschenrieder (POW) | Der bayerische Liedermacher Konstantin Wecker im Gespräch mit den Gästen der Würzburger Wärmestube.


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