320.000 Minderjährige leben unter der Armutsgrenze. Über 6.000 Schüler*innen haben zuletzt die Schulen in Bayern ohne jeden Schulabschluss verlassen. Jedes vierte Kind in der vierten Klasse kann nicht richtig lesen. Insgesamt wird die Zahl der Analphabet*innen in Bayern auf über 700.000 geschätzt. Erzieher*innen, Lehrer*innen, Sozialpädagog*innen, Beschäftigte an Hochschulen und in der Weiterbildung fehlen überall. Gleichzeitig leiden die Beschäftigten unter den immer schlechter werdenden Arbeitsbedingungen. Für Martina Borgendale, Landesvorsitzende der GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft), ist klar: „Der Fachkräftemangel in der Bildung muss endlich langfristig gelöst werden! Dazu hat die GEW seit vielen Jahren gute Vorschläge eingebracht, zuletzt ein 15-Punkte-Programm gegen den Lehrkräftemangel. Wichtig sind der Ausbau der Studienplätze und eine neue, flexible Lehrer*innenbildung.“ Borgendale weiter: „Die GEW Bayern hat dazu ein sehr gutes Konzept vorgelegt. Der neue Landtag und die Staatsregierung müssen hier endlich in die Gänge kommen und auch kritische Positionen gegenüber dem bisherigen Modell aufnehmen. Auch wir als Bildungsgewerkschaft im DGB sind bereit, unsere Expertise in der Kommission zur Lehrkräftebildung zur Verfügung zu stellen.“ Trotz des massiven Lehrkräftemangels hält die Staatsregierung weiterhin an der schulartübergreifenden Einstellungsnote von 3,5 für den Staatsdienst fest. Die GEW Bayern kann nicht nachvollziehen, dass man nun zwar verstärkt auf Quer- und Seiteneinsteiger*innen setzt, die oft gar keine pädagogische Ausbildung haben, jungen voll ausgebildeten Lehrkräften aber eine Anstellung versagt.

Hilger Uhlenbrock, Mitglied des Landesvorstandes, fordert für die Kitas: „Die Grundlagen für die Bildungskarrieren werden auch in der Kita gelegt. Wir brauchen deshalb unbedingt eine hohe Qualität in der frühkindlichen Bildung. Der Beruf der Erzieher*in muss aufgewertet und die Kinderpflege mehr wertgeschätzt werden! Die Arbeitsbedingungen müssen für alle Beschäftigten in Kitas und Sozialer Arbeit deutlich verbessert werden, damit sie nicht mehr zum Burn-out führen.“ Die GEW ruft alle dazu auf, sich am 23. September an dem bundesweiten Protesttag gegen den Bildungsnotstand zu beteiligen. Dazu Florian Kohl, stellvertretender Vorsitzender in Bayern: „Wir fordern: Bildungswende jetzt! Wir werden uns am 23. September, kurz vor der Landtagswahl, auf unseren Kundgebungen in München und in Erlangen vereint und laut für eine gerechte und inklusive Bildung in Kitas und Schulen einsetzen! Wir fordern die Gemeinschaftsschule als inklusives Schulmodell auch für Bayern. Schüler*innen, Eltern und Pädagog*innen werden für eine Ausbildungsoffensive und ein 100 Milliarden Sondervermögen für Bildung auf die Straßen gehen. Alle sind herzlich eingeladen, dabei zu sein!“ Die GEW Bayern hat zur Landtagswahl ihre bildungspolitischen Positionen veröffentlicht und sie in Gesprächen mit vielen Mitgliedern des Landtags erläutert und diskutiert. Die drohende gesellschaftliche Spaltung durch eine verfehlte Sozialpolitik, die sich dramatisch verschlechternden Arbeitsbedingungen im Bildungssystem und die dadurch fehlenden Bildungsperspektiven für viele Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene machte die GEW dabei deutlich. Vertreter*innen des Landesvorstandes forderten die inklusive „Eine Schule für Alle“, gute Kitas, demokratische Hochschulen und Globales Lernen als wichtigen Lerninhalt sowie die Stärkung der Erwachsenenbildung. Wege gegen die Diskriminierung von Frauen und für mehr Geschlechtergerechtigkeit wurden ebenso wie Wege für echte Mitwirkung von Senior*innen aufgezeigt.

Die GEW sieht die Klimakrise als eine Bedrohung der Lebensgrundlagen von Menschen, Tieren und Pflanzen. „Am stärksten sind Kinder und Jugendliche betroffen, sie werden sich am längsten damit auseinandersetzen müssen“, so Martina Borgendale. Die GEW Bayern erklärt sich deshalb mit den Klimaaktivist*innen und den Kritiker*innen der IAA in München, gerade auch mit den jungen Menschen, solidarisch. „Wir finden es nach wie vor vollkommen unangemessen und nicht zielführend, Aktivistinnen und Aktivisten in Präventivhaft zu nehmen, um politische Härte zu demonstrieren. Die Politik sollte lieber ausreichend handeln und mit den Klimaschützer*innen in den Dialog treten, als sie zu kriminalisieren.“


PS: Sind Sie bei Facebook? Werden Sie Fan von Aschaffenburg News!