Lebendige Verbindung zu den irischen Wurzeln des Glaubens

Foto: Matthias Fleckenstein

Bayern
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Vor mehr als 1300 Jahren haben die irischen Wandermönche Kilian, Kolonat und Totnan den Glauben nach Franken gebracht.

Bei einer Reise nach Irland begaben sich nun Generalvikar Dr. Jürgen Vorndran, Domvikar Monsignore Dr. Matthias Türk, persönlicher Referent von Bischof Dr. Franz Jung, und Matthias Fleckenstein, Vorsitzender der Deutsch-Irischen Gesellschaft Würzburg, vom 7. bis 11. Juni auf die Spuren der Frankenapostel. Dabei besuchten sie unter anderem die Ortschaft Mullagh, den Geburtsort des heiligen Kilian, sowie das Saint Patrick’s College in Maynooth und die historische Klostersiedlung von Glendalough. Über die besondere Beziehung zwischen Würzburg mit der Partnerstadt Bray, der Partnerregion County Wicklow und Mullagh sprachen Vorndran und Fleckenstein am Dienstagabend, 14. Juni, auf dem Social-Media-Kanal Instagram @bistumwuerzburg. Sie zeichneten das Bild einer lebendigen Partnerschaft mit tiefen spirituellen Verbindungen. „Es ist uns wichtig, immer wieder diesen Austausch mit unseren irischen Ursprüngen zu pflegen“, erklärte der Generalvikar. „Für uns ist auf dieser Reise spürbar geworden, wie lebendig diese Verbindung ist. Es war eine erlebnisreiche Pilgerreise, die die Beziehung zwischen Würzburg und Mullagh weiter stärken konnte.“Die kleine Ortschaft Mullagh, in deren Nähe um das Jahr 640 Kilian geboren wurde, war die erste Station der Reise. Nach einem Gottesdienst mit Bischof Martin Hayes (Bistum Kilmore) nahm der Generalvikar gemeinsam mit Bischof Hayes und Shane P. O’Reilly, dem Bürgermeister von Mullagh, den Spatenstich für die neue Außenanlage des Saint Kilian’s Heritage Center vor. Dieses Dokumentationszentrum sei vor 27 Jahren als deutsch-irische Kooperation des Bistums Würzburg und der Gemeinde Mullagh entstanden, sagte Fleckenstein. Die Diözese Würzburg habe damals einen Großteil der Kosten getragen. Dort sind unter anderem eine Nachbildung des Kiliansevangeliars sowie Faksimile von alten irischen Handschriften zu sehen. Die Originale werden in der Universitätsbibliothek in Würzburg aufbewahrt. Außerdem steht vor dem Zentrum ein Abguss der Darstellung des heiligen Kilian aus dem Lusamgärtchen. Das originale Sandsteinrelief im Gärtchen hinter dem Neumünster sei die älteste Darstellung des heiligen Kilian in Würzburg, erklärte Fleckenstein. Mit den Außenanlagen werde das Heritage Center fit für die Zukunft gemacht. Ein Café und Veranstaltungen sollen Raum für Begegnungen bieten. Mullagh liegt in der Grafschaft Cavan, die auch das Land der 365 Seen genannt wird. Ganz in der Nähe befindet sich das malerisch gelegene Mullagh Lough. In Maynooth besuchten die Würzburger die Päpstliche Saint Patrick-Universität und sprachen mit Präsident Reverend Professor Michael Mullaney.

Die theologischen Fakultäten in Maynooth und Würzburg seien seit mehreren Jahren über die „Kiliani-Lecture“ verbunden, zu der die theologische Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg in der Zeit um das Kiliansfest Gastdozenten aus Irland einlädt, um über ein ausgewähltes theologisches Thema zu sprechen. Corona habe diese Tradition allerdings unterbrochen. Die Universität selbst sei eine beeindruckende Anlage im neugotischen Stil. „Man wird ein bisschen an Hogwarts erinnert“, beschrieb Fleckenstein. Ein Höhepunkt sei die Besichtigung der Kapelle gewesen, die normalerweise nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist. In Dublin standen neben einem Treffen mit dem deutschen Botschafter Cord Meier-Klodt auch Begegnungen mit Erzbischof Dermot Farrell sowie seinem Vorgänger Erzbischof em. Diarmuid Martin auf dem Programm. Man habe sich über die aktuellen Umbrüche in der Gesellschaft und in der Kirche ausgetauscht, berichtete Generalvikar Vorndran: „Es ist spürbar, dass wir überall mit denselben Problemen konfrontiert sind, dass wir aber voller Hoffnung in die Zukunft gehen.“

Ein weiterer Höhepunkt der Reise war die historische Klostersiedlung von Glendalough, entstanden aus der Einsiedelei des heiligen Kevin aus dem sechsten Jahrhundert, im Herzen von Würzburgs Partnerregion Wicklow gelegen. „Es ist die Erfahrung solcher klösterlicher Gemeinschaft, die Kilian geprägt und dazu motiviert hat, um Christi Willen die Heimat zu verlassen“, sagte der Generalvikar. Für ihn sei Glendalough ein „persönliches Highlight“ gewesen. Besonders hob er die irischen Kreuze hervor, bei denen das Kreuz von der Sonne der Auferstehung umgeben ist: „Das sind besondere irische Glaubenssymbole.“ Zahlreiche dieser Kreuze findet man in Glendalough, einer der bedeutendsten irischen Klosteranlagen, darüber hinaus einen völlig intakten Rundturm aus dem elften Jahrhundert und eine Reihe von frühen Kirchenbauten.

Die Geschichte des heiligen Kilian und seines Martyriums sei bereits vor dem Jahr 800 in der Chronik eines damals vor den Toren von Dublin gelegenen Klosters niedergeschrieben worden, sagte Fleckenstein: „Damit ist diese Verbindung tatsächlich die älteste dokumentierte Verbindung zwischen Deutschland und Irland.“ Bis heute sei Irland und Deutschland die Pflege intensiver Beziehungen wichtig. Allein in Würzburg gebe es fünf Schulpartnerschaften mit irischen Schulen. Ein Schulaustausch zwischen der Saint Kilian’s Community School in Bray und dem Matthias-Grünewald-Gymnasium, der 1983 begründet wurde, sei auch der Ursprung für die Städtepartnerschaft gewesen, die 1999/2000 besiegelt wurde. „Diese Partnerschaft ist wirklich eine Erfolgsgeschichte“, sagte Fleckenstein. Neben schulischen, kulturellen und touristischen Verbindungen spielt auch die Kiliani-Wallfahrtswoche eine große Rolle: „Kiliani ist eine Hochsaison für die deutsch-irischen Beziehungen.“ Zur diesjährigen Kiliani-Wallfahrtswoche werden nach den Worten des Generalvikars wieder zahlreiche irische Pilger erwartet: „Wir freuen uns auf unsere Gäste aus Bray, County Wicklow und Mullagh.“

Das komplette, rund 25-minütige Gespräch kann im Internet auf dem YouTube-Kanal des Bistums Würzburg angesehen werden.


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